Zink ist ein essentielles Spurenelement, welches der Körper nicht speichern kann. Wir müssen es täglich über die Nahrung zu uns nehmen. Wäre es dann nicht schlau zu wissen, welche Art von Zink der Körper besonders gut verwerten kann? - Darf ich vorstellen: Zinkbisglycinat.

Welches Zink wird vom Körper gut aufgenommen?

Es gibt eine breite Gruppe von Menschen, die von einer optimalen Zinkversorgung besonders profitieren würden. Dazu gehören zum einen Personen, die einen erhöhten Zinkbedarf haben, wie zum Beispiel Kinder in einer Wachstumsphase, schwangere und stillende Frauen und Sportler. Zum anderen gibt es aber auch Personen, deren Zinkspiegel durch Verluste negativ beeinflusst wird, wie zum Beispiel Diabetiker, Allergiker und Menschen mit chronischen Entzündungen oder dermatologischen Erkrankungen.
Für diese Menschen – aber natürlich auch für alle anderen Menschen – ist es gut zu wissen, welche Zinkformen der Körper besonders gut aufnehmen kann.

Die Zinkformen – ein kurzer Überblick

Auf dem Markt sind eine ganze Reihe von Zinkpräparaten erhältlich. Entsprechend vielfältig sind auch die Zinkformen, die in den Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Zinkverbindungen, die als anorganische Salze oder als Komplexe mit organischen Säuren und Aminosäuren vorkommen. Organische Zinkverbindungen kann der Körper oft besser aufnehmen.

Zink Zinkoxid ist eine Verbindung aus Zink und Sauerstoff. Zinkoxid hat eine schlechte Bioverfügbarkeit und wird daher nicht für Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Es wird jedoch von der Kosmetikindustrie eingesetzt, zum Beispiel in Cremes (Sonnencreme, Aknecreme). Auf der Haut angewendet wirkt Zinkoxid UV-absorbierend und antibakteriell.

Zinksulfat hat eine mittlere Bioverfügbarkeit. Wird Zinksulfat in sehr hoher Dosierung eingenommen, kann es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautprobleme kommen.

Zinkorotat wird vom Körper schlechter als Zinksulfat, aber besser als Zinkoxid aufgenommen. In Deutschland ist Zinkorotat nicht für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Zinkcitrat zählt zu den organischen Zinkverbindungen und hat eine Bindung zum Salz der Citronensäure. Es hat eine mittlere Bioverfügbarkeit und wird häufig in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.

Zinkgluconat ist eine Verbindung von Zink mit Gluconsäure. In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurde nachgewiesen, dass Zinkgluconat von jungen Erwachsenen genauso gut aufgenommen wird, wie Zinkcitrat und besser aufgenommen wird, als Zinkoxid. Im Durchschnitt wurden von den Teilnehmern rd. 61% des verabreichten Zinkgluconats aufgenommen. Quelle 2

Zinkpicolinat ist eine Kombination von Zink mit Picolinsäure, welche ebenfalls zu den organischen Verbindungen in der Chemie zählt. In einer Studie aus dem Jahr 1997, wurde die Supplementierung mit Zinkpicolinat, Zinkcitrat, Zinkgluconat und einem Placebo bei einer Testgruppe verglichen. Dabei konnte eine Erhöhung des Zinkspiegels durch die Einnahme von Zinkpicolinat nachgewiesen werden. Quelle 1

Zinkbisglycinat ist eine Zinkverbindung mit der Aminosäure Glycin, die wir unten noch genauer betrachten wollen.

Zinkbisglycinat unter die Lupe genommen

Zinkbisglycinat ist eine organische Zinkverbindung, die eine besonders hohe Bioverfügbarkeit aufweist. Das bedeutet, der Körper kann Zink in dieser Form sehr gut verwerten – so weit, so klar. Aber was genau ist denn der Vorteil von diesem Bisglycinat?

Bisglycinat ist eine sogenannte Chelat-Form. Bei dieser Form wird das Spurenelement – in diesem Fall Zink – mit der Aminosäure Glycin verbunden. Du kannst dir die Verbindung so vorstellen, dass das Zink-Ion in der Mitte sitzt und links und rechts von der Aminosäure Glycin umklammert werden. Im Griechischen bedeutet das Wort «Chelat» nämlich «Kralle».

Tasse und LebensmittelBei der Verdauung sieht das Ganze dann so aus: Damit der Körper die Mineralstoffe aufnehmen kann, die du mit der Nahrung gegessen hast, werden sie zunächst von der Magensäure aufgespalten: das mineralische Element wird von der restlichen chemischen Struktur abgetrennt. Das mineralische Element hat von sich aus eine positive oder negative Ladung – man sagt auch «Ion». Dadurch zieht es andere Teilchen, wie zum Beispiel Phosphate, Phytate, Oxalate und unverdauliche Fasern an und bindet sich an diese Teilchen. Diese Komplexe können vom Darm nicht mehr so gut aufgenommen werden.

Konkret bedeutet das: dein Körper kann gar nicht alle Mineralstoffe verwerten, die du zu dir nimmst, weil während der Verdauung einige «verloren gehen». Die übrigen Mineral-Ionen konkurrieren im Magen-Darm-Trakt mit anderen Mineralen um die Aufnahme durch die Darmwand, denn alle möchten den gleichen Transportweg nutzen. Das ist wie zur Rush-hour, wenn alle nach Hause wollen und den gleichen Bus nehmen!

Die Chelat-Struktur hat den Vorteil, dass sie stark genug ist, um nicht von der Magensäure aufgespalten zu werden. Die Aminosäure – hier das Glycin – legt sich um das Zinkelement und schützt es vor den Magensäften. Außerdem ist die Chelat-Form neutral geladen und bindet sich nicht an andere Nahrungsteilchen im Magen, wie andere mineralische Elemente das tun.

Und noch einen besonderen Vorteil hat Glycin: sie ist die kleinste aller Aminosäuren. Deshalb können mineralische Elemente, die eine Chelatverbindung mit Glycin eingehen besonders gut vom Dünndarm aufgenommen werden.

Die Bisglycinat Form kommt übrigens nicht nur bei Zink vor. Eisen kann zum Beispiel ebenfalls als Bisglycinat vorliegen, wie bei unseren Eisen + Vitamin C Kapseln.


Quellen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24259556/ (Zinc absorption by young adults from supplemental zinc citrate is comparable with that from zinc gluconate and higher than from zinc oxide)

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3630857/ (Comparative absorption of zinc picolinate, zinc citrate and zinc gluconate in humans)

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18271278/ (A bioavailability study comparing two oral formulations containing zinc (Zn bis-glycinate vs. Zn gluconate) after a single administration to twelve healthy female volunteers)



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