Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist dein Nährstoffbedarf so hoch, wie in keiner anderen Phase deines Lebens. Diesen Blogartikel möchte ich speziell dem Thema Eisen widmen, denn es gibt viele (verwirrende) Aussagen über die Eisenversorgung von Müttern und Babys.

Rufen wir uns zu Beginn noch einmal die empfohlene Zufuhr für Eisen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) in Erinnerung:

Nicht-schwangere Frau (19-65 Jahre) 15 mg pro Tag
Schwangere Frau 30 mg pro Tag
Stillende Frau 20 mg pro Tag

Warum ist der Eisenbedarf während der der Stillzeit erhöht?

Eisen ist ein wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen (der Erythrozyten). Somit wird Eisen u.a. für die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut benötigt.

Während der Schwangerschaft nimmt dein Blutvolumen zu. Das zusätzliche Blut wird für die Plazenta und den Blutkreislauf des Säuglings benötigt. Bereits im Mutterleib werden die Eisenreserven des Babys angelegt, die es während der ersten Lebensmonate mit Eisen versorgen.

Baby StillenAuch nach der Schwangerschaft bleibt dein Eisenbedarf erhöht. Das zusätzliche Eisen wird dann benötigt, um neues Blut zu bilden, um Milch zu bilden und für die Wundheilung.

5 Fakten über den Eisenbedarf während der Schwangerschaft und der Stillzeit

  1. Der menschliche Körper speichert 3 bis 5 Gramm Eisen. Bei der Geburt verliert der Körper der Mutter bis zu 1 Gramm Eisen.
  2. Während der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf der Mutter um 50% erhöht.
  3. 38% der schwangeren Frauen haben einen Eisenmangel.
  4. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen Wochenbettdepressionen und einem Eisenmangel besteht.
  5. Um festzustellen, ob du einen Eisenmangel in der Stillzeit hast, muss sowohl der Hb-Wert (Hämoglobin Wert), als auch der Serum-Ferritin Wert (Maß für die Eisenreserve) bestimmt werden.

 

 

Wie äußert sich ein Eisenmangel in der Stillzeit?

Rund 38% der frischgebackenen Mütter haben einen Eisenmangel, der natürlich in der Stillzeit erst einmal weiter besteht, falls die Eisenreserven nicht wieder aufgefüllt werden. Gerade das kann sich allerdings als schwierig erweisen, da der Eisenbedarf während der Stillzeit erst einmal erhöht bleibt.

Ein Eisenmangel während der Stillzeit hat dieselben Symptome, wie ein «normaler» Eisenmangel (d.h. wenn du nicht schwanger bist oder stillst). Zu den Symptomen zählen Müdigkeit und Antriebslosigkeit, depressive Stimmung, Kopfschmerzen und Haarausfall. Außerdem haben Mütter mit einem Eisenmangel ein höheres Risiko für Infektionen und Kindbettfieber.

In der Stillzeit kann es schwierig sein, einen Eisenmangel zu erkennen, da du durch die Geburt und den Schlafmangel vielleicht sowieso sehr müde bist.

Wenn ein Eisenmangel nicht behandelt wird, kann es im schlimmsten Fall zu einer Blutarmut (Eisenmangelanämie) kommen.

Wie wird das Baby während der Stillzeit mit Eisen versorgt?

Während der Stillzeit deckt dein Baby seinen Eisenbedarf zum einen aus seinen Eisenreserven und zum anderen über die Muttermilch.

Du kannst einiges dafür tun, um deinem Baby von Anfang an gut gefüllte Eisenreserven mitzugeben. Damit die Eisenreserven des Babys gut gefüllt werden, ist es natürlich wichtig, dass du während der Schwangerschaft selbst gut mit Eisen versorgt bist. Zum anderen kannst du die Nabelschnur erst dann durchtrennen lassen, wenn sie auspulsiert ist. Indem die Nabelschnur auspulsieren kann, wird mehr Blut (und gleichzeitig mehr Eisen) aus der Plazenta auf das Baby übertragen. Lässt du die Nabelschnur beispielsweise 3 Minuten länger auspulsieren, bekommt das Baby dadurch 50 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht mit.

BabyflascheMuttermilch enthält grundsätzlich wenig Eisen. Je nachdem welcher Quelle man glauben möchte, ist der Eisengehalt unabhängig vom Eisenstatus der Mutter. Dafür hat das Eisen in der Muttermilch aber eine gute Bioverfügbarkeit. Aus der Muttermilch können 50% des Eisens aufgenommen werden, aus künstlicher Säuglingsnahrung dagegen nur 5%. Der Mehrbedarf an Eisen in der Stillzeit dient dazu, den geleerten Eisenspeicher der Mutter wieder aufzufüllen.

Auch darüber, wie lange die Eisenreserven eines Babys halten, werden unterschiedliche Angaben gemacht. Je nach Quelle werden 4 bis 12 Monate angegeben. Der Eisenbedarf des Babys zählt dabei als Hauptargument, warum man mit der Beikost anfangen soll. Von der WHO wird empfohlen, ab dem 7. Monat mit der Beikost zu beginnen.

 

Solltest du Bedenken haben, ob du in der Stillzeit gut mit Eisen versorgt bist, sprich am besten mit deinem Arzt über das Thema. Ein Bluttest, bei dem der Hb-Wert und der Serum-Ferritin Wert gemessen werden, kann dir wertvolle Informationen liefern. Wovon ich dir dringend abraten würde, ist Eisen «auf Verdacht» zu supplementieren. Du solltest nur so viel Eisen zu dir nehmen, wie es die Tageszufuhrempfehlungen anzeigen, da dein Körper überschüssiges Eisen nicht einfach loswerden kann.

Liebe Grüße, Thea

Quellen:

https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/?L=0

https://www.vitalarzt-marquardt.de/eisenmangel/risikogruppen/schwangerschaft-stillzeit/

https://www.still-lexikon.de/stillen-und-beikost-nach-bedarf-besteht-ein-risiko-fuer-eisenmangelanaemie-nach-6-monaten/

https://www.ergotherapie-stillberatung-regenstauf.de/2019/10/19/beikost-stillen-und-eisenmangel//

Griffin & Adams, 2001

Nielsen, P.: Diagnostik und Therapie von Eisenmangel mit und ohne Anämie (Bremen 2016).

Bergmann, R. et al.: Diagnostik und Behandlung der Anämie und des Eisenmangels in der Schwangerschaft und im Wochenbett (Stuttgart 2009).

Körner, U. et al.: Ernährungsberatung in Schwangerschaft und Stillzeit (Stuttgart 2014).

Stiefel, A. et al.: Hebammenkunde (Stuttgart 2013).